Über den Umgang mit Siddhis oder spirituellen Kräften

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Immer wieder kommen im Laufe der Energetischen Behandlung Klienten mit Phänomenen in Kontakt, die anfangs verwirrend oder gar beängstigend sein können. Zu diesen Siddhis gehören Kräfte und Fähigkeiten in der materiellen Welt oder Zugänge zu höheren, immateriellen Sphären.

Plötzlich gehen Türen selbständig auf, Licht oder Küchengeräte schalten sich scheinbar von selbst ein oder werden durch den Kontakt mit dir reihenweise defekt.
Auch der Zugang zu anderen Dimensionen und Wesenheiten sind typische Phänomen, wenn die Energie bei ihrem Aufstieg nach oben in immer höheren Frequenzen schwingt und dadurch diese bisher verborgenen Ebenen der Realität empfangen kann. Du kannst die Gedanken anderer Menschen so laut hören, als sprächen sie diese aus oder siehst Ereignisse voraus, die dann tatsächlich eintreten.
Diese Phänomene, auch wenn sie scheinbar um dich herum aus den Objekten selber zu entspringen scheinen, gehen doch von dir aus. Es sind deine unbewussten Kräfte, die in dir erwachen, vergleichbar mit einem Schlafwandler oder einem Kind, das schon in der Lage ist, Objekte im Raum zu bewegen, aber noch nicht zum Bewusstsein erwacht ist und daher nicht weiß, was es tut.

Du bist es, der die Türen öffnet oder das Licht einschaltet. Aber du machst es auf einer Ebene, auf der deine Kraft gerade erst erwacht, du selber aber noch schläfst. Deine Vertiefung ist noch nicht bis hierher vorgedrungen. Doch die Morgendämmerung hat bereits begonnen. Erste Lichtstrahlen erstrecken sich über die seit Ewigkeiten gefrorene Landschaft und erwecken deine innere Welt allmählich aus ihrem Kälteschlaf.

Siddhis sind ganz normale Phänomene, wenn du zu deinem wahren Selbst, zu deiner wahren Größe erwachst. Wie ein Kerkerhäftling, der nach Jahrzehnten angekettet in einem dunklen Loch zum ersten Mal die Luke öffnet und die Sonne sieht, macht deine Seele nach Äonen des spirituellen Schlafes das Tor nach innen auf und erblickt die Zentralsonne in der Mitte deines Herzens.

Diese Kräfte sind nur die Oberfläche einer viel tieferen Dimension. Sie gleichen den Sonnen-Eruptionen an der Oberfläche, beeindruckende energetische Phänomene, die dennoch nichts über die Tiefe und Vorgänge in der Sonne selbst aussagen.
Daher ist es sehr entscheidend, wie du mit diesen Phänomenen umgehst. Ob du an der Oberfläche hängen bleibst und dich in spirituellen Spielchen verstrickst, oder ob du bereit bist noch tiefer in das Mysterium deines Seins einzutauchen.
Gerade wenn du ausgeprägte spirituelle Kräfte oder einen leichten Zugang dazu hast, wirst du wahrscheinlich auch starke Blockaden und Widerstände in dir installiert haben, um diese Kräften unter Kontrolle zu halten und dich von ihnen abzutrennen. In unserer materialistischen Gesellschaft mussten viele spirituelle Menschen die Erfahrung machen, sich mit diesen Kräften in Gefahr zu bringen und dafür verurteilt oder abgelehnt zu werden.
Wir alle haben die Hexenverbrennung des Mittelalters noch kollektiv in Erinnerung, in der alle medial begabten Menschen in größter Gefahr waren, auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.
Auch wenn heute keine Scheiterhaufen mehr auf den Marktplätzen stehen, unterscheidet sich unsere Gesellschaft nicht grundlegend von der des Mittelalters. Heute haben wir den Medien-Pranger, in denen jeder, der nicht der materialistischen Religion huldigt und es wagt, eine davon abweichende Sichtweise zu vertreten, verächtlich oder lächerlich gemacht und in den medialen Marktplätzen der modernen Welt als Freak und Spinner vorgeführt wird.
Nur wenige haben die Kraft, sich dieser Erfahrung zu stellen, alle anderen trennen sich aus reinem Überlebensinstinkt lieber von ihrer wahren Größe ab.

Wie bereits oben erwähnt, können sich Siddhis in zwei Richtungen auswirken, als Kraft in der materiellen Welt oder als Zugang zu höheren Dimensionen.
In der materiellen Ausprägung liegt die Versuchung eher darin, dich wieder in die Verstrickung mit der Welt hineinzuziehen und diese Kräfte für Ego-Spielchen oder zum Erreichen persönlicher Vorteile zu missbrauchen.
Die immaterielle Form hingegen kann dich bei unachtsamem Umgang mit ihr aus dem Kontakt mit der physischen Realität heraus in eine sehr spezielle Form des Wahnsinns ziehen.
Deshalb ist es gerade beim Umgang mit starken spirituellen Energien sehr wichtig, neben der Unterscheidungsfähigkeit und Klarheit (Viveka) auch der Arbeit mit dem Wurzelchakra und damit der Verwurzelung im eigenen Körper einen hohen Stellenwert zukommen zu lassen.

Wenn du tiefer mit dir in Kontakt kommst und siehst, dass diese Energie ganz unten von dir selbst ausgeht, bist du an einem wichtigen Scheideweg.
Wenn du erkennst, dass die Siddhis im Grunde nichts anderes sind als dein bisheriges Greifen mit den Händen, eine Wiederholung deiner Struktur auf energetischer Ebene und ebenso sinnlos, weil es auch auf energetischer Ebene einfach nichts zu greifen gibt, geht die Reise tiefer in Richtung Quelle. Du hörst einfach auf mit diesen Kräften zu spielen und erkennst, dass sie nur eine kurze Phase auf dem Weg in die Tiefe sind.

Oder aber du unterliegst Mara, dem Sog der Dunkelheit, verstrickst dich in der Versuchung und gehst auf einer tieferen Ebene wieder verloren in der Welt der Gier nach Objekten. Dann spielst du wie ein unwissendes Kind mit den Eruptionen an der Oberfläche der Sonne und bringst dich um die Erkenntnis, dass du selber diese Sonne bist. Wenn du diese Kräfte für deine Ego-Spielchen missbrauchst werden sie früher oder später destruktiv. Erst wendest du sie in deinem Verlangen gegen andere, anschließend wird sich die Energie gegen dich selbst richten.

In der spirituellen Welt gibt es viele Beispiele für diese gefallenen Yogis, wie sie in Indien genannt werden. Den Allmachtsphantasien ihrer anfänglichen Kräfte verfallen, erkennt man sie an ihrer schwarzen Aura, einer düsteren Ausstrahlung. Sie haben ihre Gier und Selbstsucht bis in die Tiefen ihres Seins getragen und selbst die Energien nahe der Quelle in ihrer Verblendung, für ihre Ego-Zwecke missbraucht, die Reinheilt und Heiligkeit ihres Seins gegen billigen vergänglichen Ramsch eingetauscht.
Ein spirituell ausgerichteter Mensch wird vor dieser Energie instinktiv zurückschrecken.
Wenn es jedoch dein Ziel ist, selbst auch solche Kräfte zu besitzen um andere zu manipulieren und einen Vorteil in der Welt zu erringen, fühlst du dich zu diesen dunklen Meistern hingezogen um dich von ihnen auf die dunkle Seite der Macht ziehen zu lassen.

Kannst du der Versuchung aber widerstehen, geht die Reise weiter in unvorstellbare Dimensionen, Welten über Welten, die sich in deinem Inneren offenbaren.
Aus dieser Perspektive erscheinen Siddhis nur als weiterer Versuch von Mara, dem Herren der Finsternis, dich im Leiden von Samsara, dem ewigen Kreislauf des Lebens und Sterbens, gefangen zu halten.

buddha-mara
Die Versuchung Buddhas durch die Verlockungen Mara’s

Manik, Oktober 2016

4 Gedanken zu „Über den Umgang mit Siddhis oder spirituellen Kräften“

      1. Oh ja, das ist die ganz große Kunst. Wenn man einmal vom Weg abgekommen ist und sich im Leben verirrt hat, hat man auch meist das Gefühl für den Weg zurück verloren. Für mich war die Arbeit mit den Chakren, insbesondere dem Wurzelchakra die Antwort. Die führt ein zurück ins authentische Spüren und vor allem holt sie die Energie aus dem Kopf und seinen Traumwelten zurück ins reale Sein. Alles andere passiert dann von selbst

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